Übersetzungen sind personal-welthafte Kristallisationen.
In ihnen spiegeln sich die Menschen mitsamt ihren Bezügen zu Geschichte, Gegenwart und ihren geistigen Räumen in Politik, Kultur und Kunst wider.
Mit diesem Projekt möchte ich die – auch auf die eigene Übersetzungstätigkeit referierenden – Entdeckungen teilen und die Freude am Eintauchen in diese vielfältigen Bezügen mitteilen sowie Leserinnen und Leser anregen, ihre eigenen Erfahrungen im Beziehungsgeflecht der verschiedenen Lesarten zu genießen.
Zu meiner Person
Matthias-W. Engelke, 1957 in Hamburg geboren, Studium der evangelischen Theologie in Bonn, Jugendarbeit und internationale Sozialhilfe-Arbeit mit der Arbeitsgemeinschaft für Jugendarbeit, AGJA e. V., mit dem Schwerpunkt Ägypten (insb. ein Sozialzentrum für Menschen, die bei Kairo im und vom Müll leben), Promotion über Sören Kierkegaard und das Alte Testament, Rheinbach 1998, Pfarrer im Oberbergischen (Wiehl-Oberbantenberg), Militärpfarrer in Idar-Oberstein, Studentenseelsorge in Trier und am Umwelt-Campus Birkenfeld und Gemeindepfarrer am Niederrhein (Nettetal-Lobberich/Hinsbeck), verheiratet, zwei Kinder, drei Enkel. Seit 2000 Mitglied im Internationalen Versöhnungsbund, 2010-2016 als Vorsitzender, Gründungsmitglied des Arbeitskreises Ägypten AKÄ e. V., und des Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie, OekIF. 2001 Gründung des Initiativkreises gegen Atomwaffen, seit 2010 Fastenaktion bis zum Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland – jedes Jahr um einen Tag verlängert.
Veröffentlichungen, u. a. : Zelt der Friedensmacher. Die christliche Gemeinde in Friedenstheologie und Friedensethik. Norderstedt, 2019
Abu Tobias/ Abu Carola: Das Minutenbuch. Bände I-VI. Norderstedt 2020
s. https://independent.academia.edu/MatthiasWEngelke
Bibelausgaben und Kommentare
Die Abkürzungen bezeichnen die verwendeten Bibelübersetzungen, in der Reihenfolge, wie ich meistens vergleiche:
BHQ - Die Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, gibt seit 2004 "eine völlig neue Handausgabe (edition minor) der hebräischen Bibel" heraus, die Biblia Hebraica Quinta, BHQ. Nach der Biblita Hebraica Stuttgartensia, BHS, nun die fünfte Ausgabe, daher der Name. Der Band zur Genesis, herausgegeben von Abraham TAL erschien 2015. Diesmal wird der Codex Leningradiensis originalgetreu wiedergegeben, alle Anmerkungen dazu stehen nun im Apparat. Dieser Einzelband enthält zudem die masaretischen Angaben der kleinen und großen Masora (Masora parva und Masora magna) als ausführlicher Text und ist damit eine einfache und unschätzbare Bereicherung.
WTT – Masoretischer Text auf der Grundlage des Codes Leningradiensis und der Biblia Hebraica Stuttgartensia, BHS, digitalisiert an der Michigan Universität 1981-1982 mitsamt der Änderungen von Westminster Morph 4.14. BibleWorks Version 10.0.5.302, 2016,
LXX Septuaginta - die älteste Bibelübersetzung überhaupt aus dem 3.-2. Jahrhundert vor Christus aus Alexandria und in der Antike einzigartig,
LXXD - Septuaginta Deutsch: Die deutsche Übersetzung der Septuaginta, herausgegeben von der Deutschen Bibelgesellschaft,
VUL - Vulgata, die lateinische Übersetzung, sie fußt auf der Übersetzung von Hieronymus (347-420),
VULD - Vulgata Deutsch, 2018: Hieronymus. Biblia Sacra Vulgata. Lateinisch-deutsch. Band I. Genesis - Exodus - Leviticus - Numeri - Deuteronomium. Herausgegeben von Andreas Beriger, Wudu-Wolfgang Ehlers und Michael Fieger, Berlin/Boston 2018,
KJV - King James Version von 1611 in der Fassung von 1997,
NAS - The New American Standard Bible, 1995,
ESV - The Holy Bible, English Standard Version, 2016,
LSG - französische Übersetzung von Louis Segond, 1910,
BFC - Französisch: Bible en en français courant, 1997,
L17 - Lutherbibel, 2017,
LUT - Lutherbibel, 1984, Revision von 1999,
EIN - Einheitsübersetzung, 1980,
ELB - Elberfelder Bibel, 2006,
SCH - Die Schlachter-Bibel, 2000,
ZUR - Die Zürcher Bibel, 2008,
NL - eine niederländische Übersetzung: Herziene Statenvertaling, 2010,
D83 oder DÄN'83 - Bibel der Dänischen Bibelgesellschaft von 1983,
D92 oder DÄN - Den Hellige Skrifts Kanoniske Bøger, Ausgabe der Dänischen Bibelgesellschaft von 1992,
ZINK - Das Alte Testament. Ausgewählt und übertragen von Jörg Zink, 1972 (1966),
GN - Gute Nachricht, 1982,
GNB - Gute Nachricht Bibel, Revision von 1997,
BiG - Bibel in gerechter Sprache, 2006,
BB - Basisbibel, 2021.
Sowie jüdische Übersetzungen:
M Mendelssohn - die allererste jüdische Übertragung in die deutsche Sprache, veröffentlicht in hebräischen Buchstaben 1783, mit lateinischen Buchstaben 1845,
ZUNZ - die sogenannte Rabbinerbibel: Unter der Leitung von Leopold Zunz übersetzt von Heymann Arnheim, Julius Fürst und Michael Sachs, 1848 (1837),
B/M - Bearbeitung der Mendelssohnschen Bibel durch Annette Mirjam Boeckler (Böckler), 2015 (2014, 2001),
B/R - Die Schrift. Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig, 1976 (1954),
Die jiddische Übersetzung:
SBJ - Thora. Übersetzung ins Jiddische von Salomon Blumgarten alias Jehuasch. 1927. Nachdruck in Warschau o. J. - im Internet in der Steven Spielberg Digital Yiddisch Library, The Yiddish Book Center's, unter: https://ia600304.us.archive.org/24/items/nybc200109/nybc200109.pdf
HIRSCH - Der Pentateuch - Samson Raphael Hirsch, 1808-1888, war ein bedeutender Rabbiner. Auf ihn wurde ich durch einen Aufsatz von Johannes Weissinger "Schlag nach beim Rabbi! Die Kommentare zum Pentateuch und zu den Psalmen von Samson Raphael Hirsch" im "Jahrbuch Friedenstheologie 2022. Toleranz und Teilhabe", Norderstadt 2022 und unter https://friedenstheologie-institut.jimdofree.com/publikationen-rezensionen/oekif-jahrbuch-2022/ - aufmerksam.
Das setzte mich auf die Spur weitere jüdische Kommentare ausfindig zu machen:
JACOB - Benno Jacob, 1862-1945, Rabbiner in Göttingen und Dortmund, 1939 konnte nach London fliehen, vertritt in seinem fulminanten Genesiskommentar die Auffassung, dass die Thora aus einem Guss ist, zumindest ganz wesentlich überarbeitet wurde. Er macht Beobachtungen, die auch Buber und Rosenzweig aufgefallen sind, dass es Begriffe gibt, die in allen Fünf Büchern Mose gleichbleibend verwendet werden.
PHIL - Ludwig Philippson, 1811-1889, Rabbiner, gründete die "Allgemeine Zeitung des Judentums" und u.a. zusammen mit Abraham Geiger - ein mit ihm befreundeter Rabbiner und bedeutender Islamist, epochenmachend seine Dissertation von 1833: "Was hat Mohammed aus dem Judenthume aufgenommen?" - die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Seine Übersetzung der Hebräischen Bibel mitsamt Kommentar fand eine weite Verbreitung.
JPS Sarna - Die amerikanische jüdische "Bibelgesellschaft", The Jewish Publication Society, veröffentlichte 1989 einen Genesis-Kommentar von Nahum M. Sarna. Er verwendet dabei die moderne jüdische Übersetzung TANAKH.
Christliche Kommentatoren schließen sich an:
WEST - Claus Westermann, Biblischer Kommentar. Altes Testament. Genesis, 2. Teilband, Genesis 12-36. Teil 2: Gen 21,8-36,43. 3. Auflage, Neukirchen-Vluyn 2003 (1981).
SOGG - J. Alberto Soggin, Das Buch Genesis. Kommentar. Darmstadt 1997.
SEEB - Horst Seebass, Genesis II. Vätergeschichte II (23,1-36,43). Neukirchen-Vluyn 1999.
Und die arabische Übersetzung:
van Dyke - van Dyke Arabic Bible, 2005; Cornelius Van Alen Van Dyke (Dyck), 1818-1895) war ein amerikanischer Missionar, der fast sein ganzes Leben in Libanon verbrachte und dort die erste Übertragung der Bibel in arabische Sprache schuf.
PESCH - Die Syrische Übersetzung des Alten Testaments, die Peschitta, wörtlich "die Gewöhnliche", wurde vermutlich im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. angefertigt, vermutlich vor allem im antiken Edessa, heute Urfa.
LAMSA - George Lamsa, 1892-1975, übersetzte die Peschitta ins Englische, 1957 abgeschlossen.
TAR - Der Targum Onkolos ist eine jüdische Übersetzung des Pentateuchs ins Aramäische vermutlich aus dem 2. Jahrhundert. Wenn ein pseudonymes Werk am ehesten dort zu Hause ist, wo es zum ersten Mal erwähnt wird, so eine bekannte philologische Faustregel, - nämlich im Talmud -, dann stammt diese Übersetzung aus Babylon. Rainer Degen legt als Ursprungsland Palästina „nicht später als der Bar Kochba-Aufstand“ nahe, TRE 3,611.
SAM - Die Samaritaner bilden eine Glaubensgemeinschaft, die bis heute existiert. Sie wird auf diejenigen zurückgeführt, die nach der babylonischen Eroberung von Jerusalem nicht mit nach Babylon deportiert wurden. Die Übersetzung des Pentateuchs in die samaritanische Schrift erfolgte vermutlich im 2. Jahrhundert vor Christus. August von Gall, 1872-1946, veröffentlichte sie von 1914-1918 mit hebräischen Buchstaben. Diese Fassung wird hier benutzt.
ANTIOCH - 2019 veröffentlichte der Verlag Gorgias Press, USA, den ersten Band der "Antioch Bible": "The Syriac Peshitta Bible with English Translation" zur Genesis. Der Syrisch-Aramäische Text ist vollständig vokalisiert und dient dem Gottesdienstgebrauch. Die Englische Übersetzung orientiert sich sprachlich am Original und will dem gleichen Zweck dienen. Die Genesis wurde von Craig E. Morrisson unter Mitarbeit von Claudio Balzaretti und Mirko Pozzobon übersetzt. Herausgeber sind George A. Kiraz, Piscataway, New Jersey, und Andreas Juckel, Münster. Diese Übersetzung ist meine Referenzübersetzung.
ThWAT-Aram - Wörterbücher für die aramäisch geschriebenen Textteile des Alten Testaments gibt es zahlreiche, bereits GESENIUS hatte einen Anhang zu den aramäischen Textstellen Dan 2,4b-7,28; Esr 4,8-6,18; Esr 7,12-26; Jer 10,11 und Gen 31,47. So auch das Hebräische und Aramäische Wörterbuch, HAWAT, von Eduard KÖNIG, von 1910. Georg FOHRER gab 1971 zusammen mit Hans Werner Hoffmann, Friedrich Huber, Jochen Vollmer und Gunther Wankeein ein gleichnamiges Wörterbuch heraus, übersetzt ins Englische durch W. Johnstone als Hebrew and Aramaic Dictionary of the Old Testament, HADOT, 1973.; die vierte Auflage völlig neu bearbeitet von Johannes F. Diehl und Guner Wanke HAWAT, 2021. In dieser Tradition steht Frank MATHEUS "Kompaktwörterbuch Althebräisch", 2022. Davon unterscheidet sich das Theologische Wörterbuch zum Alten Testament Band IX Aramäisches Wörterbuch, Stuttgart 2016, herausgegeben von Holger GZELLA, erheblich. Es deckt nicht nur die genannten alttestamentlichen Textstellen ab, sondern repräsentiert so vollständig wie möglich den gesamten Sprachgebrauch der jeweiligen Wörter im Achämeniden-Reich , die das Aramäische zur Amtssprache erhoben hatten, mit Ausblicken auf die Verwendung in Qumrantexten und im Nabatäischen - die dem Koranarabisch nächste Sprache. Dies Wörterbuch ist damit zugleich eine unschätzbare Fundgrube. Neuland betritt das Hebräische und aramäische Wörterbuch zu den Texten vom Toten Meer, HAWTTM, einschließlich der Manuskripte aus der Kairoer Geniza, herausgegeben von Reinhard G. Kratz, Annette Steudel und Ingo Kottsieper, Berlin, Boston, 2017 und 2019, erschienen bislang zwei Bände.
SOKOLOFF - Alle genannten Wörterbücher decken den Wortbereich des Peschitta nicht ab. Das Standardwerk fürs Alt-Syrisch/Aramäsche war das Lexicon Syriacum, 1895, von Carl BROCKELMANN, 1868-1956. Diese lateinische Fassung übersetzte Michael SOKOLOFF, 2009, ins Englische. Es enthält eine aufschlussreiche Übersicht über den Beginn der Syrischen Lexikografie in Europa sowie die Vorworte von Carl Brockelmann und Theodor Nöldeke zur Erstausgabe, sowie Brockelmanns Vorwort zur zweiten Ausgabe 1928 - aus dem Lateinischen übersetzt ins Englische.
Koranausgaben und Kommentare
Meine Koran-Übersetzungsversuche vergleiche ich mit folgenden Koranübersetzungen:
PARET
Rudi, eigentlich Rudolf Paret, 1901-1983, ist als Islamwissenschaftler anders als seine jüdischen Kollegen während des sogenannten Dritten Reiches nicht verfolgt worden. Im Gegenteil, er wirkte mit im "Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben" in Eisenach und unterstützte das deutsche Afrikakorps als Dolmetscher. Seine 1966 veröffentlichte Koranübersetzung gilt als philologisch genau. Ich benutze die digitale Ausgabe der Übersetzung samt Kommentar in der Fassung der Digitalen Bibliothek, Berlin 2001.
AL AZHAR
Die Al-Azhar ist wohl die älteste durchgehend betriebene Universität der Welt. Sie veröffentlichte 1923/24 eine Koranausgabe, die seitdem als verbindlich gilt. Die Al-Azhar gab vor wenigen Jahrzehnten eine deutsche Übersetzung heraus, von der mir ein Freund in Kairo vor einigen Jahren ein Exemplar schenkte. Das war mein Leseexemplar. Als ein Pfarrer in den Vereinigten Staaten von Amerika medienwirksam einen Koran öffentlich verbrannte, schenkte ich mein Koranexemplar der muslimischen Gemeinde am Ort, wo wir als Familie damals lebten, und ich wurde Fördermitglied der Moschee-Gemeinde in Nettetal-Lobberich.
BUBENHEIM/ELYAS
Deren Übersetzung ist nachzulesen unter: https://islamische-datenbank.de/quran-koran?action=viewsurah&surano=89
ULLMANN
Susannah HESCHEL veröffentlichte 2018 ein Buch über jüdische Islamwissenschaftler der letzten zwei Jahrhunderte. Sie begründeten in Deutschland die moderne Islamwissenschaft. Mit der deutschen Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden 1933-1945 wurde eine ganze Generation dieser Schulbildung ins Ausland getrieben oder ermordet. Zu den Gründervätern gehört auch Ludwig Ullmann. Er veröffentlichte die erste von Respekt geleitete Übersetzung des Korans ins Deutsche. Mir liegt eine - unkommentierte - Ausgabe dieser Übersetzung aus dem Goldmann-Verlag von 1959 in der 7. Auflage vor, "bearbeitet und erläutert von L. W.-Winter".
HENNING/HOFMANN - HENNING/SCHIMMEL
Die Übersetzung von Max Henning , 1861-1927, erschien 1901 im Reclam Verlag. Dadurch wurde sie sehr bekannt. Die Ausgabe, die mir vorliegt wurde überarbeitet und eingeleitet von MURAD WILFRIED HOFMANN, 1931-2020, und 2006 in Istanbul gedruckt.
Hofmann hat offenbar erheblich in die Übersetzung von Henning eingegriffen. Das ergibt ein Vergleich mit der von ANNEMARIE SCHIMMEL 2023 neu herausgegebenen und mit Anmerkungenen versehenen Übersetzung Hennings.
KHOURY
Adel Theodor Khoury, *1930, ist ein libanesischer griechisch-katholischer Theologe, der in Münster lehrte und zusammen mit Muhammad Salim ABDULLAH in Abstimmung mit dem Islamischen Weltkongress 1987 eine deutsche Übersetzung vorlegte. Ich benutze die zweite, durchgesehen Auflage von 1992, Gütersloh und konsultiere seinen Kommentar: "Der Koran. Arabisch-Deutsch. Band 12. Übersetzung und wissenschaftlicher Kommentar von Adel Theodor Khoury", Gütersloh (2009) 2. Auflage 2019; Band 1: "Muhammad. Der Koran. Sure 1,1-2,74", Gütersloh 1990.
GOLDSCHMIDT
Lazarus Goldschmidt, 1871-1950, ist Theologen als Talmud-Übersetzer bekannt. Er studierte Orientalistik und veröffentlichte lange vor seiner berühmten Talmud-Übersetzung 1916 eine wunderschöne Koranübersetzung. Durch Ulrich BERZBACH, Judaist, Köln, wurde ich auf diese Übersetzung im Rahmen der "Akademie am Vormittag" der Melanchthon-Akademie Köln zum Thema "Jüdische Schriftauslegung" aufmerksam gemacht.
NEUWIRTH
Angelika Neuwirth, *1934, veröffentlichte 2010 das bahnbrechende Werk "Der Koran als Text der Spätantike. Ein Europäischer Zugang", in dem sie darstellt, wie und dass der Koran mit der antiken und besonders christlichen Geistes- und Kulturgeschichte verbunden ist. Sie veröffentlicht einen Handkommentar zum Koran (HKK), von dem bislang drei Bände erschienen sind: "Der Koran. Band 1. Frühmekkanische Suren. Poetische Prophetie", Berlin 2011; "Band 2/1. Frühmittelmekkanische Suren. Das neue Gottesvolk: 'Biblisierung' des altarabischen Weltbildes", Berlin 2017 und: "Band 2.2. Spätmekkanische Suren. Von Mekka nach Jerusalem: Der spirituelle Weg der Gemeinde heraus aus säkularer Indifferenz und apokalyptischem Pessimismus", Berlin 2021. Sie knüpft damit an die besonders von jüdischen Gelehrten geprägte und von Deutschen im Zweiten Weltkrieg zerstörte Richtung an, wegweisend bereits Mitte des 19. Jahrhunderts der Breslauer und Frankfurter Rabbi Abraham GEIGER: "Was hat Mohammed aus dem Judenthume aufgenmmen?", Bonn 1833. Vgl. dazu: Susannah HESCHEL: "Jüdischer Islam", Berlin 2018.
CORPUS CORANICUM
Dieses Projekt der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften wurde von Angelika Neuwirth begründet und veröffentlicht im Netz, corpuscoranicum.de , eine unglaubliche Fülle von Informationen zum Koran. In fortlaufender Reihe werden alle Verse des Korans übersetzt, kommentiert und mit Umwelttexten sowie Lesarten ergänzt. Den Anstoß, den die unter Pseudonym veröffentlichte Studie von Christoph Luxenberg: "Die Syro-aramäische Lesart des Koran. Ein Beitrag zur Entschlüsselung der Koransprache", 2000, 3. Auflage, Verlag Hans Schiler, 2007, erregte, wird mit dem Corpus Coranicum aufgenommen und auf ein Niveau gehoben, das bislang m. W. nicht übertroffen wurde. Diese Plattform wird inzwischen von Nicolai Sinai und Nora K. Schmid betreut, z. T. tagesaktuell - und setzt sich stellenweise kritisch mit der Vorarbeit von Neuwirth auseinander.
KARIMI
Ahmad Milad Karimi veröffentlichte 2008 eine Koranübersetzung, die 2014 in zweiter Auflage der Studienausgabe im Herder-Verlag erschien, versehen mit einem Nachwort von Bernhard Uhde und des Übersetzers.
BOBZIN
Hartmut Bobzin: Der Koran. Aus dem Arabischen neu übertragen und erläutert von Harmut Bobzin unter Mitarbeit von Katharina Bobzin. 2.
Auflage München 2017.
RÜCKERT
Friedrich Rückerts (1788-1866) Koranübersetzung ist vielleicht die bemerkenswerteste von allen. Sie ahmt die Reime der arabischen Vorlage kongenial nach. Die Anfänge der Übersetzungen reichen in die Jahre 1819-1826 zurück. Im Netz unter: http://12koerbe.de/bienengold/islam3.htm#107
Neu herausgegeben von Hartmut Bobzin: Hartmut Bobzin (Hrsg.): Der Koran in der Übersetzung von Friedrich Rückert. 1995. 4. Aufl., Würzburg 2001. Diese Ausgabe war für Bobzin der Anlass zu einer eigenen Übertragung.
ASAD
In einem Telefonat mit Herrn Dr. M. S. Murtaza tauschten wir uns Mitte Januar 2023 über Q 96,4 aus - ob es hier eher um eine Schriftfeder oder um die Schrift gehe. Er verwies auf die Übersetzung und den Kommentar von Muhammad Asad und zitierte daraus. Darin tendiert er sehr deutlich in Richtung "Schrift". Muhammad Asad, wurde als Leopold Weiss als Kind jüdischer Eltern 1900 in Lemberg, damals Österreich-Ungarn, geboren. Er konvertierte 1926 in Berlin zum Islam und nannte sich seitdem Muhammad Asad. Er bereiste den Nahen Osten und war mit König Ibn Saud, dem Gründer von Saudi-Arabien, befreundet. 1932 reiste er weiter nach Britisch-Indien wo er als Deutscher während des gesamten Krieges von den Engländern inhaftiert wurde. Im Internierungslager befreundet er sich mit Muhammad Iqbal und verfasste, durch ihn angeregt, einen Verfassungsentwurf zur Gründung eines Staates Pakistan. Der erste pakistanische Pass wurde für ihn ausgestellt. Er wurde Botschafter Pakistans bei den Vereinten Nationen in New York. Seine Koranübersetzung und Auslegung erschien auf englisch 1980. Er wird einer rationalistschen Denkrichtung zugeordnet. Sein Kommentar ist in Saudi-Arabien verboten. Er starb 1992 in Spanien. (Alle Angaben nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Muhammad_Asad)
Die Übersetzung trägt m. E. apologetischen Charakter. Sie wird von mir nur noch hin und wieder zu Rate gezogen.
REINBOLD
Während eines Besuches bei Dr. Michael SCHOBER in Osnabrück zeigte er mir das Werk von Wolfgang Reinbold: "Koran und Bibel: Ein synoptisches Textbuch für die Praxis", Göttingen 2022. Darin legt er die Übersetzung von Khoury zu Grunde und zitiert zu den jeweiligen Suren Texte aus dem Alten und Neuen Testament, jüdische und antike Schriften sowie aus den Hadithen - zeitgenössische Texte die mit dem Korantext in Beziehung stehen. Die bislang umfangreichste Arbeit dieser Art.
ZIRKER
Hans Zirker, *1935, lehrte als katholischer Theologieprofessor u. a. in Duisburg und Essen. 2003 erschien seine Koran-Übersetzung, mittlerweile in der 6. Auflage, begleitet von einer Einführung.
BELL
Richard Bell, 1876-1952, übersetzte 1937-1939 den Koran ins Englische. Zuvor veröffentlichte er 1926 die Studie The Origin of Islam in the Christian Environment. London 1926.